
Die Eingewöhnungswoche ist vorbei und unser erster Ruhetag in Luxor erwartet uns nun. Nach nur sechs Tagen Fahrt ist mittlerweile jeder froh, erstmal nicht auf dem Rad sitzen zu müssen!
Am ersten Tag ging es anfangs noch gemütlich von unserem Hotel Richtung Pyramiden neutralisiert los. Dort angekommen fand inmitten dieser atemberaubenden Kulisse die offizielle Begrüßung und der Pressetermin statt. Nach vielen Fotos ging es dann endlich los auf unsere große Reise von Kairo nach Kapstadt.
Bereits am ersten Tag wurde nach der Neutralisation so extrem “Gas gegeben”, dass mein Puls zwei Stunden lang ständig zwischen 180 und 200 Schlägen pro Minute lag! Es war der absolute Wahnsinn, besonders nachdem ich so kurz vor der Tour noch tagelang mit Fieber im Bett lag und seitdem nicht mehr wirklich trainieren konnte. Nachdem ich im Ziel war, fragte ich mich zum ersten Mal, was ich hier eigentlich nur mache! (… ich dachte eigentlich, dass diese Frage erst viel später und nicht gleich schon am ersten Tag kommen würde…)
Der zweite Tag wurde nicht viel einfacher und verlangte von den Fahrern alles ab! 168 Kilometer waren zu fahren. Bereits nach etwa einer Stunde Fahrt kam sehr starker Wind auf, und wir quälten uns des Öfteren nur noch mit einer Geschwindigkeit von 13-17 km/h ab. Nach knapp 7 Stunden Fahrt kam ich als insgesamt 6. Fahrer und erste Frau ins Ziel. Für mich lief der Tag sehr gut, aber knapp die Hälfte von insgesamt 57 Fahrern konnten an diesem Tag das Rennen nicht beenden und mussten per Truck ins Ziel gefahren werden! Der Traum vom begehrten EFI-Status ist somit für viele bereits am zweiten Tag der Tour geplatzt!
Die weiteren Tage verliefen relativ problemlos. Ich bin zwar mit meiner Fitness noch nicht ganz zufrieden, aber ich merke, wie ich von Tag zu Tag physisch und psychisch stärker werde. Momentan liege ich mit Juliana, einer sehr starken Frau aus Kanada, zeitgleich auf den ersten Plätzen in der Frauenwertung, und ich bin sehr froh darüber, dass ich mit meinem Hardtail Mountainbike auf den flachen und geteerten Strecken sehr gut mit den Crossrad-Fahrern mithalten kann.
Die Eingewöhnungswoche war jedoch für viele härter als erwartet. Auch ich habe mit dem einem oder anderem Problem zu kämpfen. Bereits seit dem zweiten Tag sind zwei meiner Finger taub, mein Knie schmerzt bei jeder Pedalumdrehung und ich habe offene und blutig nässelnde Wunden an meinem Hintern und kann kaum sitzen! Aber: This is Africa – this is TDA!”
Abseits von den Straßen läuft das Leben im Fahrer-Camp sehr ruhig ab. Bereits um 5:15 Uhr hört für mich die Nacht auf. Schnell waschen, anziehen, Zelt, Isomatte, Schlafsack, etc. zusammenpacken und in Truck bringen. Wie das manche in 20 Minuten schaffen ist mir wirklich ein Rätsel! Ab 6:00 Uhr gibt es Frühstück (meist Porrage in vielen Varianten, was mir komischerweise wirklich schmeckt), danach folgen die üblichen Wüsten- und Buschwanderungen der Teilnehmer mit dem Spaten in der Hand
, dann noch schnell restlichen Kleinkram im Truck versperren und um 7:00 Uhr ist der Start für alle Racer. Irgendwann zwischen Mittag und Nachmittag komme ich meistens ins Ziel, dann heißt es wieder Zelt, Schlafsack, Isomatte etc. aufbauen, eine kleine Katzenwäsche – bestehend aus paar Tropfen Wasser und Seife – durchführen, Rad putzen und kontrollieren, Rider Meeting, Abendessen auf dem Boden und gegen 20:30 Uhr heißt es wieder “Gute Nacht”. Das ist ein üblicher Tagesablauf! Die Fahrten auf dem Bike sind dagegen etwas spannender
Nun genieße ich den Ruhetag in Luxor und hoffe mich von den letzten Tagen gut erholen und Kraft sammeln zu können.
Ich melde mich in paar Tagen aus Dongola / Sudan wieder.
Liebe Grüße
Eure Gisi
P.S.: Das “Tour Magazin”, Europas größtes Rennrad Magazin, hat in den letzten Tagen noch einen Online-Bericht über mich und meine Teilnahme an der Tour d`Afrique veröffentlicht. Lesen könnt Ihr ihn hier.